Der einzig wirkliche Wandel
Was ist dein Leben?
Dies ist nur deshalb eine ungewöhnliche Frage, weil die Art unserer Konditionierungen sie uns ungewöhnlich erscheinen lässt. Die meisten Menschen würden in ihrer Antwort bestimmte Inhalte ihres Lebens nennen, auf ausgeführte oder unterlassene Handlungen verweisen, etwas aufführen, woran sie glauben bzw. ihren Nichtglauben daran kundtun. Doch dies macht nicht dein Leben aus: es ist nur, was du mit deinem Leben tust oder getan hast, es ist das, womit du es füllst.
Was ist dann aber dein Leben? Die Antwort ist nicht in den Inhalten deines Lebens zu finden, sondern in dem Kontext, der einen Rahmen um den Inhalt bildet, in der Leinwand deines Seins und nicht in dem Bild, das du auf ihr erschaffst. Und eine solche Betrachtungsweise führt in völlig andere Bereiche des bewussten Lebens und seinen Ausdrucksformen.
Wenn du in dieser Webseite liest, befindest du dich vermutlich aktiv auf der Suche nach dem Wesen des Göttlichen Seins, was heißt, dass du dich dafür interessierst, wie der tägliche Inhalt deiner Erfahrung als Mensch in den größeren Kontext deiner spirituellen Natur einzuordnen ist. Dieses Interesse führt dich unweigerlich dazu, verschiedene Waren und Dienstleistungen psychologischer und spiritueller Art zu konsumieren, östlicher und westlicher Couleur, von denen jede einzelne auf einem sehr konkreten Weltbild beruht, das die eigentliche Lehre und auch den Rahmen festlegt, in dem das betreffende Wertesystem seinen Ausdruck findet.
Dieser Artikel beruht auf einer radikalen These: dass all die östlichen und westlichen Paradigmen und Lehren der Vergangenheit, die heute immer noch in Rein- oder Mischformen in uns leben und ihre Anhänger um sich sammeln, ausnahmslos einer prä-egoischen Phase der menschlichen Bewusstseinsentwicklung entstammen. Die meisten von ihnen stammen aus vergangenen Zeiten, in denen so viele unserer großen Lehrer, wie etwa Gautama oder Jeschua, Ideen aufbrachten, die für ihre Zeit revolutionär waren.
Doch was, wenn diese Weltbilder gar nicht so zeitlos wären, wie immer behauptet wird? Und zwar deswegen, weil die energetische Dynamik in den Grundlagen und Methoden buchstäblich all unserer religiösen und spirituellen Weltbilder das Ego zum direkten Hindernis für unsere religiöse und spirituelle Entwicklung und somit zu etwas Pathologischem macht? Was, wenn dies für unser Zeitalter keine Gültigkeit mehr hätte? Was, wenn das Ego kein Substantiv, sondern ein Verb wäre? Was, wenn nicht das Ego als solches unserer Bewusstseinsentwicklung im Wege stände, wie es von so gut wie allen religiösen und spirituellen Systemen vertreten wird, sondern nur seine ungesunde und unauthentische Form?
Und was, wenn wir uns in einer egoischen Phase der Bewusstseinsentwicklung befänden, in der die Aufgabe darin besteht, ein gesundes, reales Ego in unsere spirituelle Reise zu integrieren, anstatt es zu transzendieren oder ein Schattendasein führen zu lassen? Was, wenn damit die energetischen Dynamiken der Paradigmen aus unserer Vergangenheit ebenso überholt wären, wie es die von ihnen abgelösten Weltbilder waren? Was, wenn diese neue Stufe unserer Evolution nach einem völlig neuen spirituellen Paradigma verlangte, in dem die Natur des Selbst, das Wesen von Gutheit, von Liebe, Gott und Erleuchtung neu definiert wird?
Um von der Theorie zum Persönlichen zu kommen: Als Menschen brauchen wir ein paradigmatisches Bild vom Leben. Wir besitzen es nicht automatisch von Geburt an, wir erwerben es, indem unsere Erfahrung konditioniert wird, zunächst durch das Paradigma des Lebens in unserer Ursprungsfamilie und später von den vielen Hundert Paradigmen um uns herum, die sich auch in jeder spirituellen Ware und Dienstleistung niederschlagen, egal wie esoterisch sie sein mag. Jede Psychologie, Philosophie, Religion oder spirituelle Lehre unterliegt einem bestimmten Paradigma mit seinem eigenen Bild davon, wie die Realität vom menschlichen Bewusstsein wahrgenommen wird. Dabei stellen die übergeordneten Weltbilder den Kontext dar, in dem das familieneigene Weltbild im Bewusstsein der Eltern entsteht und dann an die Kinder weitergereicht wird.
Ein Paradigma ist also eine Linse, durch die alle Menschen Erfahrung erfahren, ein System der Orientierung, das Bewusstsein lenkt und das Organ ist, mit dem du dein Leben verarbeitest. Jedes Paradigma besteht aus fünf Elementen: 1) einer Kosmologie, die den Aufbau der Realität aus der Sicht des Paradigmas beschreibt; 2) einer Kosmogonie, die die Entstehung der Kosmologie erklärt; 3) einer Beschreibung der Ursache des Leidens, die sich aus Kosmologie und Kosmogonie erklärt; 4) einem Weg zur Heilung, der sich aus der Ursache ergibt; und 5) dem Letztendlichen Bewusstseinszustand, das Ziel am Ende des menschlichen Leidens.
In diese fünf Elemente sind drei Unterelemente eingewebt: 1) ein grundsätzliches Wertesystem, das für den Menschen festlegt, was ‚gut‘ und was ‚nicht gut‘ ist; 2) ein Kodex ethischer Verhaltensnormen, in denen das grundsätzliche Wertesystem zum Ausdruck kommt; und 3) ein konkretes Moralsystem, in dem Ethik und Wertesysteme im menschlichen Alltag Anwendung finden.
Auch das Paradigma, das dir in deinem Leben ankonditioniert wurde, enthält diese ganzen Elemente und Unterelemente, selbst wenn sie dir im Einzelnen nicht bewusst sind. Dadurch bildet es eine ganz reale Grundlage dafür, wer und wie du bist und warum du in jedem Lebensbereich ein bestimmtes Verhalten an den Tag legst. Ebenso wirkt es unausweichlich als ein Filter, der bestimmte Aspekte des Lebens für dich ausblendet, je nachdem, was innerhalb des Paradigmas für wertvoll oder nicht wertvoll gilt, als gut oder nicht gut, als echt oder nicht echt.
Mit anderen Worten: Es vermittelt dir nicht nur Werte, die du dir zu einem gewissen Grad zu Eigen machst, im selben Maße, wie es dir diese Werte vermittelt, verschließt es dir auch unmittelbar den Zugang zu vielen anderen Bereichen von Sein, Ausdruck und Bewusstsein. Das übergeordnete Bild, mit dem das jeweilige Paradigma das Leben als Mensch betrachtet, lässt diese Werte als etwas ‚Falsches‘, nicht Reales oder nicht Wünschenswertes erscheinen.
Nur ein winziger Prozentsatz der Menschen ‚sieht’ Paradigmen und noch viel weniger denken paradigmatisch, egal wie viel an spiritueller Suche sie schon hinter sich haben. Die meisten Menschen haben nur ein vages Bewusstsein davon, weshalb sie an etwas Bestimmtes glauben und an etwas Bestimmtes nicht. Sie erkennen nie, dass ihre bewussten Glaubensinhalte die Blüten sind, die am Strauch eines unbewussten, allumfassenden Wertesystems treiben, wobei dieses Wertesystem selbst wiederum von einem bestimmten, zugrunde liegenden Paradigma oder Bild des menschlichen Lebens abhängig ist und innerhalb dessen zum Vorschein kommt.
Allgemeiner gefasst könnte man es wohl als die größte Tragödie der Menschheit bezeichnen, dass wir uns nicht zugestehen, wie tief wir von Paradigmen geleitet werden, wie sehr wir von ihnen abhängen und dabei leugnen , wie tief wir uns über sie definieren und wie sehr sie unser Leben ständig bestimmen. Trotz all unserer Versuche auf psychologischer, religiöser, spiritueller, philosophischer, sozialer oder pädagogischer Ebene, in dieser zerrissenen Welt eine größere persönliche und universelle Harmonie zu schaffen - eine Diskussion über die Natur von Paradigmen hat es noch nie gegeben. Das aktuelle Schlagwort sollte nicht „Kampf der Kulturen“ lauten; in Wirklichkeit geht es um eine tiefere Stufe: einen „Kampf der Paradigmen“. Die Auseinandersetzung darüber, wie wir unseren Paradigmen die Macht geben, uns unmerklich zu definieren und unsere ganzen Wertesysteme zu bestimmen, so dass sie tagtäglich auf globaler Ebene aufeinanderprallen, ist die einzige Herangehensweise, die eine Lösung bringen kann.
Stattdessen versuchen wir hilflos, Brücken zwischen streitenden Parteien oder Anschauungen zu bauen, wobei wir die Paradigmen nicht verlassen, die den Konflikt ursächlich heraufbeschworen haben. Auf dieser Ebene können wir nur die inhaltlichen Auswirkungen und nicht den wirklich ursächlichen Kontext für unsere Konflikte angehen; wir betreiben Flickschusterei auf der Ebene von Symptomen, ohne unsere Konflikte auf der Ebene der Ursache zu lösen und rechtfertigen dieses erfolglose Vorgehen auch noch mit Begriffen wie ‚kulturelle Vielfalt‘, ‚Religionsfreiheit‘ oder ‚philosophische Differenzen‘.
Aus diesem Grund konnten sich in der gesamten Menschheitsgeschichte Konflikte nie wirklich auflösen, und solange dieser Rahmen weiter besteht, wird das auch nie geschehen. Derlei kurzsichtige Herangehensweisen richten ihren Blick auf denInhalt innerhalb einer Weltanschauung und nicht auf den Kontext der Weltanschauung selbst, die den Inhalt festlegt und ignorieren so den wahren, ursächlichen Boden, auf dem dauerhafte Veränderung stattfinden könnte. In jedem Konflikt zwischen einzelnen Menschen oder Gruppen prallen ohne Ausnahme Paradigmen aufeinander, denn unseren Wertesystemen liegen Paradigmen zugrunde und diese führen mit ihren unterschiedlichen Sichtweisen auf das Universum zu den Spannungen und Konflikten, die wir als Menschen so gut kennen.
Ohne die präzise und spezifische Untersuchung, wie und warum dein Lebensparadigma und die damit verbundenen Wertesysteme die Erfahrung deines eigenen Lebens bestimmen, hat die echteste und authentischste Version von dir keine Möglichkeit, einen Schritt zurückzutreten und aus diesem Abstand heraus Metaraum zu gewinnen und muss somit unweigerlich in der geschlossenen Zelle ihres eigenen Weltbildes bleiben. Wie kann man erwarten, jemals etwas von der eigentlichen Natur des Göttlichen Seins zu erfahren, solange man die Realität durch einen gewaltigen Filter betrachtet, ohne jegliches Bewusstsein darüber, wie dieser Filter, der die Erfahrung beeinflusst, zwischen uns und dem Leben steht?
Man kann sich nicht bewusst für etwas entscheiden, über das man sich nicht klar und bewusst ist. Wenn du also kein klares Bewusstsein davon hast, welcher Art und wie komplex dein derzeitiges Paradigma ist, wie und warum es dein Wertesystem bestimmt und wie und warum dein Wertesystem deine Glaubenshaltungen, deine Handlungen und Reaktionen auf das Leben bestimmt, gibt es keinen Raum, aus dem heraus du dich wirklich für ein eigenes Paradigma entscheiden kannst.
Dein dir unbewusstes Paradigma wurde dir so gründlich und unbemerkt ankonditioniert, dass es wie von selbst ca. 70% deiner Handlungen und Reaktionen auslöst. Du irrst dich, wenn du davon ausgehst, in dem Leben, das du für dein eigenes hältst, selbst am Steuer zu sitzen, denn in Wirklichkeit ist es dein Paradigma, das zu einem großen Grad über dich bestimmt.
Das Lebensparadigma, das dir von Familie, Kultur, Religion, Philosophie oder Spiritualität vermittelt wurde, ist zu diesem Prozentsatz Du, bis das wirkliche Du in ausreichender Tiefe zum Vorschein kommt, so dass du dich bewusst dafür oder dagegen entscheiden kannst. Solange dir die Fähigkeit fehlt, Paradigmen und ihre Auswirkungen auf dein Leben zu sehen und zu erkennen, kannst du gar nicht anders als dich übermäßig an deine Überzeugungen zu klammern und dich durch sie zu definieren.
Wer sich nicht über die wahre Natur seines Lebensparadigmas im Klaren ist, hält sich zu sehr an Glaubenshaltungen fest, weil er sie für seine eigene Selbst-Definition braucht; er wird sein Paradigma als tiefgreifenden Filter auf ganze Bereiche des Lebens und des Bewusstseins wirken lassen, was seine Erfahrung verzerrt. Wer der wahren Natur seines Weltbilds und seiner Wertesysteme in seinem Leben gegenüber blind ist oder diese verleugnet, wird sich selbst und sein Paradigma nicht voneinander unterscheiden können und seine Abhängigkeitsbeziehung dazu übersehen. Uns fehlt das Bewusstsein davon, was unserem Bewusstsein alles entgeht. Wir wissen nicht, was wir alles nicht wissen und das schneidet uns grundsätzlich von jeder Möglichkeit echter Veränderung ab, weil wir die Möglichkeit einer völlig anders gearteten Erfahrung gar nicht in Betracht ziehen.
Mit anderen Worten gesagt, wir können ohne die Fähigkeit, uns von unseren Lebenseinstellungen zu distanzieren, keinenMetaraum zu ihnen haben können und sie daher auch nicht in einen kontextuellen Zusammenhang stellen. Wir verschmelzen mit ihnen in einer Fusionierung und klammern uns darin an sie, um uns zu definieren, und denken dann, dass unsere jeweilige Wahrheit nicht einfach nur ‚eine‘ Wahrheit, sondern ‚die‘ Wahrheit als solche darstellt. Auf diese Weise entstehen verschlossen-arrogante fundamentalistische Haltungen, die sich selbst für ‚richtig‘ und alles andere für ‚falsch‘ halten und so in der Welt verheerenden Schaden anrichten.
Die Spanne reicht dabei vom gewalttägig-militanten, religiösen Fanatismus früherer und jetziger Zeiten zu den subtileren Ausdrucksformen des Buddhismus, der im Allgemeinen für sanft gehalten wird. Im Buddhismus stellen so viele Lehrer das Nonduale als letztendliche Weisheit oder Urgrund des Seins dar, mit dem sich alles und jedes erklären lässt, weil es ja ‚über‘ jeglicher dualistischen Philosophie und Theorie stehe. Sämtliche an Dualismus ausgerichtete Philosophien oder mentalkörperlich orientierte Weltanschauungen werden als unerleuchtet abgetan und für den Fortbestand des Leidens verantwortlich gemacht, und zwar aus zwei Gründen: zum einen, weil eine innere Lebenshaltung, die sich am Dualistischen ausrichtet, angeblich einen illusionären Eindruck von einem Selbst hervorrufe, und zweitens, weil die Orientierung an einem dualistischen Paradigma immer etwas Unnatürliches sei, das dich von der eigentlichen Wirklichkeit des Lebens trennen soll.
Auf diese Weise stellt sich der Buddhismus ‚über’ sämtliche mentalkörperlich orientierte Paradigm-ismen, er nimmt für sich in Anspruch, über den Weg zu ‚der‘ Wahrheit an sich zu verfügen und nicht einfach über einen Weg zu ‚einer‘ Wahrheit, was seine Anhänger zwangsläufig anderen Wahrheiten oder Paradigmen gegenüber verschließt, sofern sie mit der eigenen Wahrheit kollidieren. Der Buddhismus vertritt also, dass der gewaltige mentalkörperliche Filter zwischen dir und dem Leben einzig und allein in der Erleuchtung verschwinden kann. Diese gibt dir auch wirklich ganz radikal allen Paradigmen gegenüber einen Meta-Raum, dabei bleibt jedoch als einzige Ausnahme das Paradigma, das der Buddhismus selbst vermittelt, unangetastet.
Warum ist in den letzten 2500 Jahren niemandem aufgefallen, dass der Buddhismus zwar die Transzendenz aller Paradigmen lehrt, sein eigenes davon allerdings ausspart, ein Paradigma, das in der Erleuchtung vermittelt wird und durch das man anschließend lebt, ein Paradigma, das zwar grundlegend anders, aber doch dualistisch vermittelt ist?
Auch wenn ein Paradigma behauptet, kein Paradigma zu sein, wie der Buddhismus es so häufig tut, ist es dennoch ein Paradigma, nämlich eins, das behauptet, kein Paradigma zu sein. Noch nicht einmal die Erleuchtung macht uns in unserem Leben von einem Paradigma unabhängig. Es stimmt zwar, dass wir in den kurzen Momenten oder Minuten des Satori, in dem sich der Zugang zum Nondualen Aspekt des Göttlichen Seins erschließt, alle paradigmatischen Linsen und Filter verlieren und der dualistisch orientierte Mentalkörper einen Neustart erfährt. Im Anschluss an die Erleuchtung erfahren wir das Universum einfach durch eine andere, dualistisch weitaus weniger dichte und mehr erleuchtete paradigmatische Linse.
Aber sogar diese dualistisch weniger dichte Linse ist noch immer ein Paradigma. Sie erweitert zwar die Realität auf grandiose Weise, filtert aber gleichzeitig die Wirklichkeit auf bestimmte, ganz konkrete Weise. Im Buddhismus werden alle anderen Wahrheiten verworfen, die nicht mit den eigenen Vorstellungen von ‚der‘ Wahrheit konform gehen, dass nämlich Nondualität der Urgrund allen Seins sei und dass das individuelle Selbst nichts Eigenständiges und Echtes an sich habe.
In diesem Buch wird erörtert, dass es so gut wie keine Lehre gibt, in der jemals ein Hinweis darauf zu finden wäre, dass sogar ein Erleuchtungsparadigma, das auf dem Nondualen basiert, die Realität noch filtert. Aus diesem Grund ist im Leben erleuchteter Lehrer aller Zeiten auch noch nach der Erleuchtung eine ausgeprägte emotionale Verkümmerung feststellbar. Unter der bewussten Wahrnehmung des Erleuchteten bleiben ungeheure, völlig unangetastete Bereiche voller Leid erhalten. Die Lehre des Buddhismus beschäftigt sich somit nur mit dem bewussten Leiden: nicht bewusstes Leiden spielt keine Rolle, denn es ist unbewusst und hat somit angeblich keinen Bezug zu deiner Erleuchtung.
Dass solche Schwächen bei erleuchteten Lehrern immer wieder als persönliche Eigenart abgetan werden oder, wegen der Erleuchtung der betreffenden Person, über jede Kritik erhaben zu sein scheinen, ist eine ausgesprochen tragische Begleiterscheinung davon, dass die Folgen der buddhistischen Erleuchtung allzu sehr überschätzt werden und nirgendwo bemerkt wird, wie sehr sie das Herz unseres Menschseins unterhöhlt. Die Behauptung, die Erleuchtung würde das wahre Herz unseres Menschseins frei setzen, gräbt sogar eine noch tiefere Narbe in die Seele der Menschheit.
Das hier vorgestellte Paradigma vertritt, dass wir unser derzeitiges paradigmatisches Menschenbild von seinen verzerrenden Elementen reinigen und heilen müssen, weil diese sich in eine emotional unreife Ebene von uns eingehakt haben, die das Leben als etwas definiert, in dem unser authentisches Selbst im Verborgenen steckenbleibt - und keineswegs einfach transzendiert wird. Solange wir einem Paradigma sklavisch verfallen sind, das auf verborgenen Wunden aufbaut, bleibt das wahre Selbst unentdeckt, und dementsprechend verzerrt unser spirituelles Leben unsere Erfahrungen und legt ihnen Grenzen auf, was auch und ganz besonders für buddhistisch Erleuchtete gilt.
Das alles soll dich einladen, zu erkennen, dass deine Familie, deine Religion, deine Gesellschaft und deine Kultur dir eine umfassende Weltanschauung über das menschliche Leben ankonditioniert haben, die bestimmt, wie du deine Erfahrung einordnest. Dieses erste persönliche Weltbild, das dir zunächst von deiner Ursprungsfamilie und später von deiner Ursprungskultur und Ursprungsreligion vermittelt wurde, wirkt sich ursächlich auf dein Verhalten und deine Reaktionen allem gegenüber aus.
Die Fusion mit dem eigenen Lebensparadigma, ob im Osten oder Westen, das nie kritisch auf mögliche Grenzen oder Fehler hin untersucht wird und die daraus folgende Anklammerung daran, in der man sich durch die falsche Annahme definiert, man sei im Besitz ‚der‘ Wahrheit anstatt ‚einer‘ Wahrheit, , ist die Wurzel für so gut wie alle unsere inneren und äußeren Konflikte auf dem Planeten Erde, ob in Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft.
Das geschieht im Allgemeinen völlig unbemerkt. Du erkennst nie, dass dein Leben aus dem Weltbild heraus, das du mit der Muttermilch aufgesogen hast, gelebt wird und nicht von deinem authentischsten Du, weil das Paradigma dich im Rahmen seines auf Wunden beruhenden Wertesystems programmiert hat. Dieses von Kindesbeinen an vermittelte Paradigma ist die eigentliche Ursache für das Leiden, das du durch die Beschäftigung mit anderen Paradigmen zu lindern versuchst, die dir in dieser Hinsicht Hilfe versprechen.
Die meisten Menschen beschäftigen sich nie damit, was für ein Paradigma ihnen von klein auf mitgegeben wurde. Ohne den Unterschied zwischen sich selbst und diesem eingeimpften Weltbild zu kennen, suchen sie bei anderen, spirituelleren Paradigmen Erleichterung, besonders bei solchen aus dem Osten, die durch die Erleuchtung dauerhafte Transzendenz des Leidens versprechen. Die Folgen sind unabwendbar und verheerend: Du nimmst bewusste und unbewusste Elemente dieses mit der Muttermilch aufgesogenen Paradigmas auf deine spirituelle Suche mit, wo sie sich unweigerlich auch auf deinem neuen Weg festsetzen und dort auch jedes andere Lebensparadigma trüben und verzerren, das dir Erleichterung bringen soll, und dies sogar noch nach der Erleuchtung.
Bevor du dich auf den Weg zu einem neuen Lebensparadigma aufmachst, muss zunächst dein eigenes, persönliches Paradigma von seinen paradigmatischen Verzerrungen und Fehlern geklärt und geheilt werden, damit es von der falscher Version deiner selbst, die es aus dir macht, differenziert werden kann. Dass keine spirituelle Lehre und kein spiritueller Lehrer thematisiert, dass ein solch tiefgehender Prozess eine unumgängliche Voraussetzung für jeden weiteren Weg ist, zeigt die Grenzen und Verzerrungen alles bisher Dagewesenen.
Dabei genügt es nicht, zu vermitteln, dass ‚man ein Jemand sein muss, um ein Niemand werden zu können‘. Die Frage ist: Was ist ein solcher ‚Jemand‘ in seinem echtesten und wahrsten Wesen? Eine solche Klärung und Differenzierung vom Paradigma deiner Kindheit kann nicht stattfinden, wenn du deine Definition von ‚Jemand‘ oder dem Selbst auf Kriterien der Funktionalität nach Maslow stützt, wie es viele sogenannte integrative Wege tun.
Somit sprechen wir hier von etwas, was in keinem überlieferten oder aktuellen psychologischen oder psychospirituellen Paradigma zu finden ist, denn diese Paradigmen wurden von Menschen entwickelt, die ihr eigenes authentisches Selbst nicht kannten. Sie wussten weder um die Struktur des menschlichen Emotionalkörpers noch um seine Vorrangigkeit vor dem Mentalkörper und konnten so diese Wahrheiten nicht umsetzen, um sich von den Paradigmen, die sie selbst definierten, zu ent-konditionieren, bevor sie sich daran machten, Lösungswege anzubieten. Trotz aller Behauptungen kann eine Ent-Konditionierung vom Kindheitsparadigma nicht durch Einsicht oder Transzendenz erreicht werden: Es muss geheilt werden, damit es vom Herzen und der Seele deines Selbst abschmelzen kann.
Am deutlichsten zeigt sich ein solches Gift, wenn ein Lehrer, der sich ohne echtes, emotional reifes Selbst auf den Erleuchtungspfad begibt, die Behauptung aufstellt, das eigene authentische Selbst sei nur in der buddhistischen Erleuchtung zu finden. Damit wird die durchlässige Form des Selbst, die nach der Erleuchtung auftaucht, von einem Paradigma, das in diesen Tagen großen Zulauf erfährt, als echteste Form des authentischen Selbst dargestellt, die angeblich von Anhaftungen und Identifikationen frei sei.
Aber dieses sogenannte ‚authentische‘ Selbst entstand durch die Transzendenz von Anhaftungen und Identifikationen, nicht durch ihre Heilung, nach dem Motto: ‚je weiter weg etwas ist, umso kleiner ist es auch‘. Wenn man sein Leiden durch die Meditation aus einer ‚größeren‘ Perspektive sieht, soll es dadurch angeblich kleiner und kleiner und somit in deinem Leben entsprechend weniger wichtig sein. Aber nur weil etwas mit zunehmender Entfernung kleiner erscheint, behält es seine eigentliche ‚Größe‘ oder ‚Masse‘ doch unverändert bei: es verändert sich dabei nur der jeweilige Blickpunkt, nicht etwas Wirkliches.
Transzendenz, das altehrwürdige Grundprinzip, auf das sich so gut wie jede östliche Lehre stützt, war somit nie etwas anderes als eine feige Flucht vor unserem Leiden, denn der Buddhismus beschäftigt sich überhaupt nicht mit der Heilung der Ursachenfür unser Leiden, sondern nur mit ihren Folgen, soweit diese von Augenblick zu Augenblick im Bewusstsein aufsteigen. Da die buddhistische Lehre beinhaltet, dass wir die Ursache niemals kennen können, ‚betrachtet‘ und beschäftigt sie sich ausschließlich mit Folgeerscheinungen auf der Ebene menschlichen Handelns.
So kann sie vor sich rechtfertigen, dass sie die Analyse von Ursachen der Psychologie oder Philosophie überlässt – denen, die immer noch so unerleuchtet sind, dass sie sich noch auf solch dualistischen Ebenen bewegen müssen, bis sie endlich so weit sind, es zu ‚begreifen‘. Unter ‚es begreifen‘ versteht der Buddhismus, dass man sich nicht länger sklavisch einem endlosen Unterfangen zur eigenen Befriedigung hingibt, an das wir uns aufgrund unserer Konditionierung festklammern, weil wir dadurch einen falschen Eindruck von einem Selbst bekommen, das in sich keine eigene Wirklichkeit besitzt.
Es ist an der Zeit, dass dieses arrogante buddhistische Gift endlich entsorgt wird und als abstoßender Versuch, Bewusstseinszustände von Pseudo-Nirwana zu schaffen und das als Letztendliche Weisheit zu verkaufen, in die Geschichte eingeht. Im besten Fall könnte man es noch als erste Schritte in Richtung Psychologie betrachten, und außerdem kann es uns zu einem Drittel des wahren Göttlichen Seins führen. Für das, was an der buddhistischen Lehre richtig ist, müssen wir allerdings einen furchtbaren Preis bezahlen: Sie öffnet nicht den Zugang zur Wurzel des Göttlichen Seins, sondern nur zu einem Drittel davon; sie stellt das persönliche Selbst als nicht-existent dar und leitet uns an, die Auswirkungen des Leidens zu transzendieren anstatt die Ursache dafür zu heilen.
Diese ganzen Verzerrungen haben das Herz der Menschheit in der Mitte entzwei geschnitten, sie erzeugen eine Trennung zwischen oben und unten, indem sie die volle und gesunde Aktivierung der unteren drei Chakren verbieten und sie nach der Erleuchtung sogar vollkommen verhindern. Unter der versprochenen Erleuchtung verborgen entstanden durch sie im Laufe der Jahrtausendenunzählige Bardo-ähnliche Teufelskreise voll existenziellen Leids. Das wahre, authentische Selbst muss vor der Erleuchtung manifestiert werden, und dazu ist keine aktuelle psychologische Richtung in der Lage: Diese Paradigmen weisen riesige blinde Flecken in Bezug auf Emotionen auf und es fehlt ihnen ein echter Maßstab für emotionale Reife. Kein noch so großer Erfolg auf der der Ebene persönlicher Funktionalität im Sinne von Maslow macht das Selbst zu etwas Wahrem, Authentischem und emotional Reifem.
Jetzt gibt es einen Weg, der das authentische Selbst durch die Vorrangigkeit des menschlichen Emotionalkörpers über den Mental- und physischen Körper in seinem Wesen neu definiert, einen Weg, der ohne Transzendenz und ohne die Grenzen der Psychologie oder Psychiatrie einen Großteil des Leidens heilen kann, das durch Verhaftungen und Identifikationen entsteht. Das wahre, emotional reife, authentische Selbst, das in einer solchen Heilung entsteht, verfügt dann, und erst dann, über die Voraussetzungen, sein Bewusstsein über die Dualismen hinaus zu Non-dualismen, Unalismen und dem Essenziellen Grund des Seins zu bewegen.
Wie gesagt ist sich fast niemand über all die unbewussten Dynamiken seiner Konditionierung im Klaren; und kaum jemand hat sein Leben tief genug selbsterforscht, um sagen zu können, dass er/sie sich für alle Elemente seines eigenen Paradigmas bewusst entschieden hätte. Bewusst entscheiden kannst du dich nur für ein Wertesystem, das du erschöpfend auf Stimmigkeit und Widerspruchsfreiheit ausgelotet, in allen Bereichen des Lebens auf Stichhaltigkeit überprüft und tief genug umarmt hast, um diese Prüfungen hieb- und stichfest sein zu lassen und dem du dann bewusst als selbstgewähltem Lebensweg Verkörperung verleihst. Die Voraussetzung dafür ist ein tief kontemplatives Leben der Selbsterforschung.
Wie groß ist der Anteil der Erdbevölkerung, der die Voraussetzungen für ein solches Leben mitbringt? Verschwindend gering, und das erklärt, dass wir als Gattung noch nie eine reife Spiritualität verkörpern konnten, eine, die über das Erreichen bestimmter Zustände hinausgeht. Es erklärt, dass wir unser Schicksal nicht in die eigenen Hände zu nehmen wussten und stattdessen unsicher von der Gegenwart in die Zukunft taumelten, wobei wir mit uns selbst und anderen wohlbekannte Bruchlandungen erleben. Deswegen leben wir in einer Welt schwelender Konflikte, deren Spannung sich jederzeit entladen kann; und dies trifft für persönliche Beziehungen zwischen einzelnen Menschen ebenso zu wie für Dynamiken auf internationaler Ebene.
Unter einem anderen Gesichtspunkt wird deutlich, dass es in der derzeitigen Phase unserer Bewusstseinsevolution kein gesellschaftliches, philosophisches, psychologisches, spirituelles oder religiöses Paradigma gibt, das der Frage, wie wir unser Menschsein betrachten, ganz auf den Grund geht und etwas wirklich Neues bringen kann. Tatsächlich bestehen alle Paradigmen, die uns heute zur Verfügung stehen, aus einer Vermischung und Neukombination überlieferter Paradigmen: das gilt ganz besonders für jene, die sich als Integration östlicher und westlicher Lehren verkaufen und sich heutzutage übergroßer Beliebtheit erfreuen.
Patchworkartige Versuche einer Synthese bisheriger Paradigmen im Namen der Integration gehen auf diesem Gebiet als Evolution durch, auch wenn nirgendwo ein frischer, neuer Blick darauf geworfen wird, wie uns das Bewusstsein unsere Realität vermittelt. Solche Synthesen sind per definitionem synthetisch oder synkritisch und nie ein metaphysisches Original, nichts Natürliches. Ein echter Paradigmenwandel ist ein seltenes Ereignis: Sokrates, Lao-Tzu, Gautama und der wirkliche Jeschua, nicht seine biblische Version, brachten uns bahnbrechende, neue Erkenntnisse darüber, wie Bewusstsein und das, was wir als menschliche Erfahrung bezeichnen, sich verflechten und wie sich das auf den gesamten spirituellen Zusammenhang unseres Menschenlebens auswirkt: Man kann ihren Lehren zustimmen oder nicht, aber sie hatten nichts Synthetisches an sich.
Diese originären Paradigmen veränderten die Welt und erfuhren von Seiten der damals herrschenden Paradigmen anfangs heftigen Widerstand. Dies liegt daran, dass Menschen ihre Paradigmen nicht kritisch untersuchen, sondern sich ihnen via Glauben und Projektionen blind verschreiben. Ein wirklich neues, reines, nicht nur neu zusammengesetztes Bild vom menschlichen Leben bedroht immer das Fundament der eigenen weltanschaulichen Selbst-Definition derer, die mit ihr fusioniert sind, ohne sie je zu hinterfragen, und ruft deshalb militanten Widerstand gegen die neuen Möglichkeiten einer Veränderung auf den Plan.
Der Zustand unserer Welt in der jetzigen Phase unserer Evolution schreit verzweifelt nach einer Veränderung, wie ein frisches, originales, in sich einheitliches Paradigma sie bringen könnte. Vergangene Paradigmen in einfacher oder komplexer Manier neu aufzubereiten oder miteinander zu vermischen ist bestenfalls ein akademisches Unterfangen. Im schlimmsten Fall haben wir es mit Trittbrettfahrern zu tun, die auf die großen Seelen der Vergangenheit aufspringen und glauben, etwas Neues anzubieten, während sie doch nur die Metaphysik ihrer Begründer neu arrangieren oder wahllos Dharmapfade verschiedener Richtungen miteinander kombinieren, ohne sich dabei klarzumachen, welchen Reduktionismus und welche Unreinheiten sie dabei ihrem modernen Patchworkprodukt mitgeben. Diese modernen spirituellen Produkte werden dann in einer spirituell hungrigen Welt vermarktet, die es nie gelernt hat, auf die verdrehten Auswirkungen einer so unangebrachten Mixtur zu achten.
Diese Webseite bietet ein Paradigma vom menschlichen Leben und Bewusstsein, das ursprünglich und neu ist und in dem nicht nur verschiedene andere, bereits bestehende paradigmatische Elemente zusammengetragen wurden. Es vertritt die bahnbrechende These, dass als Voraussetzung zuerst das bereits bestehende Paradigma des Lebens tief genug de-konditioniert werden muss, damit darunter das wirkliche, emotional reife authentische Selbst zum Vorschein kommen kann: Ansonsten bleibt es unweigerlich verborgen, ein Zustand, der sich mit wirklicher spiritueller Klarheit oder Verkörperung nicht vereinen lässt.
Der Grund dafür liegt darin, dass ohne ein de-konditioniertes, authentisches Selbst auch die Suche nach der Erfahrung oder Verkörperung des Göttlichen Seins immer unauthentisch bleiben muss, denn auch diese Suche wird ja von einem unerforschten Paradigma und Wertesystem getragen, das an die Stelle des echten und wahren Selbst deiner Personenschaft getreten ist.
Weiterhin spielt eine Rolle, dass dir der Glaube anerzogen wurde, dass es ein meta-kulturelles, meta-religiöses, meta-philosophisches Bild vom menschlichen Leben und allgemeingültige Kriterien für menschliche Bewusstseinsreife, die auf alle Kulturen und Zeiten gleichermaßen und ohne Ausnahme angewendet werden können, gar nicht geben kann. Ein solch universell anwendbares Weltbild würde mit universellen und überprüfbaren Kriterien für menschliche Bewusstseinsreife sämtliche historischen Wertesysteme in Ost und West, ob modern oder überliefert, ob philosophischer, religiöser, spiritueller, psychologischer oder kultureller Natur auf den Kopf stellen.
Es wäre ein Bezugsrahmen, der für alle Menschen mit ihren verschiedenen Hintergründen gleichermaßen gilt, für Atheisten, Wissenschaftler, Mystiker, Drogenbenutzer, Muslims, Juden, Christen, Kriminelle, Katholiken, Buddhisten, Moralapostel oder australische Ureinwohner ebenso wie für jede andere ethnische Gruppierung, Religion, Kultur und jedes andere Wertesystem, wobei es an alle die Aufforderung heranträgt, in ihrem Sub-Paradigma nach Verzerrungen und blinden Flecken zu forschen und diese aufzudecken - unter dem Dach eines übergeordneten meta-kontextuellen Paradigmas, das die Wahrheiten innerhalb dieser ganzen unterschiedlichen moralischen, philosophischen und ethischen Systeme zwar durchaus anerkennt, ihre Verdrehungen jedoch in Frage stellt.
Nahezu alle Soziologen, Kulturanthropologen, Ethnologen, Philosophen, Theologen und Wissenschaftler auf verwandten Gebieten halten ein solch universelles Menschenbild für unmöglich. Ihre Konditionierung als Wissenschaftler erlaubt es nicht, die paradigmatische Vielfalt in Frage zu stellen.
Es entgeht ihnen auch, dass eine jahrhundertelange Tradition und eine millionen- oder milliardenfache Anhängerschaft für ein religiöses, philosophisches, spirituelles oder kulturelles Paradigma nicht unbedingt bedeutet, dass die Vorstellungen von menschlicher Reife darin dem heutigen Stand der Bewusstseinsevolution gerecht werden.
Noch folgenschwerer ist, dass von eben diesen Wissenschaftlern und sonstigen Experten von vornherein die Möglichkeit eines universell gültigen Menschenbilds mit dem Argument verworfen wird, dass sich die verschiedenen Menschen ganz offensichtlich weigern, ihr jeweiliges vorhandenes oder nicht vorhandenes Bild von Gott, vom menschlichen Leben und den dazu gehörigen Wertesystemen in Frage zu stellen oder gar aufzugeben. Das ist das Gleiche, als würde man sagen, die These, die Erde drehe sich um die Sonne und nicht umgekehrt, hätte nicht aufgestellt werden sollen, weil die große Mehrheit der Menschheit damals für sie nicht offen war.
Doch trotz der ausgeprägten Tendenz in unserer Gattung, in ihrer prä-egoischen, kollektivistischen Bewusstseinsstarre zu verharren und sich mit Macht an den traditionellen Paradigmen und Wertesystemen festzuklammern, die zu dieser Phase gehören: Die Geschichte hat bewiesen, dass etwas wirklich Wahres sich gegen die Barbarei von Glaubenssystemen und ihre Voreingenommenheit durchsetzen wird.
Warum ist diese Wahrheit auf der Ebene wissenschaftlicher Erkenntnisse so selbstverständlich und im Bereich religiöser und kultureller Wertesysteme nicht? Wenn in der Physik eine übergeordnete Wahrheit für alle Menschen gleichermaßen gilt, unabhängig davon, ob sie daran glauben oder nicht, weshalb sollte dies nicht auch in der Metaphysik möglich sein? Damit die Möglichkeit eines universellen Menschenbildes überhaupt zu einem Gegenstand der Forschung und Diskussion werden kann, muss sie in einem ersten Schritt zunächst einmal überhaupt als Möglichkeit akzeptiert werden. Schließen wir sie als Möglichkeit aus, sind wir im Namen der Vielfalt paradigmatisch zu verbissenen Streitigkeiten verurteilt, im Namen religiöser Lauterkeit zu Mord und Vergeltung und im Namen der freien Entscheidung zu Unnachgiebigkeit und Krieg.
Die Transpersonale Psychologie oder Integrale Wege stehen im Ruf, ein solches Meta-Bild oder ein universalisiertes Paradigma anzubieten. Dies ist jedoch nicht zutreffend, denn beide beruhen auf dem überlieferten Modell der ‚Immerwährenden Philosophie“ (Philosophia perennis), das auf dem buddhistischen Bild vom Letztendlichen menschlichen Bewusstsein basiert und das gibt es seit 2.500 Jahren. Wie gesagt, solche Modelle sind lediglich eine Neubearbeitung oder Synthese bestehender prä-egoischer Paradigmen, einschließlich der sogenannten ‚Ego-Stadien‘ des Westens. Als solche können sie keinen echten Wandel bringen, sie bereiten nur bisherige Auffassungen von ‚Wahrheit‘ neu auf.
Hier sprechen wir davon, alle Modelle der Vergangenheit radikal hinter uns zu lassen und uns zu etwas aufmachen, das die Grundlage für das, was in den bisherigen Modellen vertreten wurde, neu definiert. Ihre bisherigen Vorstellungen von Bewusstseinsreife und Erleuchtung sind in unserer jetzigen Evolutionsphase überholt.
Theohumanity ist eine solche Reinform eines originalen und universellen Paradigmas. Die fünf paradigmatischen Parameter Kosmogonie, Kosmologie, der Grund für menschliches Leiden, das Dharma zu seiner Heilung und die Definition vom Letztendlichen Menschlichen Bewusstsein unterscheiden sich radikal von allen bisherigen Paradigmen. Es fasst alle bisherigen Paradigmen in einem neuen Ganzen zusammen, ohne dabei eine Synthese zu sein. Das bisherige historische Verständnis des menschlichen Bewusstseins, seiner Evolution und was ihr im Wege steht, wird in einen neuen Rahmen gestellt, der der ursprünglichen Blaupause des menschlichen Bewusstseins und seiner Entwicklungen durch die Seinsebenen hindurch entspricht.
Das wird erreicht, indem dieses neue Paradigma den menschlichen Emotionalkörper in den Mittelpunkt stellt, ein bisher unsichtbares, primäres und permanentes strukturelles Wesensmerkmal des menschlichen Bewusstseins, stromaufwärts unserer mentalen und physischen Körper, das von allen anderen psychologischen, philosophischen, religiösen und spirituellen Paradigmen der Geschichte übersehen wurde. Die Vorrangigkeit des menschlichen Emotionalkörpers ist allen bisherigen traditionell überlieferten wie aktuellen Paradigmen entgangen; dabei blieb die große Macht unerkannt, mit der sich der Emotionalkörper auf die Form unserer Glaubenssysteme und Gottesbilder auswirkt und welchen Einfluss er auf unsere gesamte bisherigen Sicht der Welt und unsere Wertesysteme ausübte – und ausübt.
Wenn wir die verborgenen und fast vollständig unbewussten Vorgänge im Land unseres verkümmerten Emotionalkörpers ausgraben, wird in jedem von uns klar, wie alle unsere bewussten Ansichten, Haltungen, Entscheidungen und Hoffnungen auf allen Ebenen menschlichen Miteinanders unsichtbar von unserer ausgezehrten Emotionalität gesteuert werden und somit die eigentlichen Ursachen für die enorme Problematik in unseren bewussten Interaktionen sind. Auch alle bisherigen Vorstellungen von Erleuchtung in Buddhismus und Hinduismus im Verlauf der letzten fünftausend Jahre werden durch das Sichtbarwerden von Aufbau und Funktion des Emotionalkörpers in Frage gestellt.
Diese Wahrheiten erschließen sich nachprüfbar und für alle Menschen übereinstimmend in der persönlichen Erfahrung, wenn wir tief in die Möglichkeiten dieses Paradigmas eindringen. Wir denken, analysieren, verehren, erleuchten und handeln so, wie unsere unbewusste emotionale Landschaft es uns diktiert. Als Gattung war uns das bisher nicht bewusst genug, als dass wir es hätten umsetzen können, denn der menschliche Emotionalkörper hatte mit seiner Form und Bedeutung in den konditionierten Paradigmen unserer Menschheitsgeschichte keinen Platz. Es gab bisher kein psychologisches, religiöses, spirituelles oder philosophisches Paradigma, das darum wusste.
Und obwohl wir Hunderte von verschiedenen Paradigmen zur Auswahl haben, gibt es nur sehr wenige Menschen, die sich auf einen einzigen Pfad oder ein Paradigma ganz einlassen. Die anderen glauben, sich aus der großen modernen Theke in der Cafeteria des New Age die paradigmatischen Elemente herauspicken zu können, die ihnen zusagen und halten das für einen Ausdruck von Individualität, Vielseitigkeit, Klarheit, geistiger Offenheit und ‚Freiheit‘.
So etwas ist immer Spiritualität auf Teenager-Ebene, denn solche Sucher haben kein Bewusstsein davon, dass ihnen ein übergeordnetes Paradigma fehlt, das die verschiedenen Elemente, die sie sich zum spirituellen Konsum herausgepickt haben, in einen größeren Zusammenhang stellen würde. Im schlimmsten Fall ist so etwas Feigheit, im besten Fall Unwissenheit; ein solches Durcheinander führt ein unreifes Bewusstsein in die Irre und kann niemals die gesuchte Heilung und Befreiung vermitteln. Das wird den meisten Menschen allerdings erst nach ihrem Tod klar werden.
Das alles ist so, weil ohne ein klares, widerspruchsfreies und prägnantes Paradigma, das den darin enthaltenen dharmischen Elementen einen Rahmen gibt, die verschiedenen Elemente kontextuell unverbunden bleiben: Es fehlt ihnen der „Klebstoff“, der ihnen energetischen Zusammenhalt verleiht. Die Kollision der verschiedenen Elemente untereinander, die weder inhaltlich noch vom Kontext her zueinander passen und das Fehlen eines allumfassenden energetischen Bodens führen letztlich zu einem wilden Spektrum unterschiedlichster Erscheinungsformen.
Dem spirituellen Konsum im Cafeteria-Stil fehlt der klare paradigmatische Kontext und so verfängt sich der Sucher immer in Energien, die die eigentlich gute Absicht unterminieren. Dass diese Meta-Ebene für die Konsumenten spiritueller Inhalte fast nie thematisiert wird, weil so wenige Lehrer aus Ost und West, ob erleuchtet oder nicht, diese Fragestellung verstehen oder gar weiterverfolgen können, ist für die Menschheit eine ungeheure Tragödie.
Dazu kommt noch, dass paradigmatische Reinheit mitunter mit sklavischer Abhängigkeit verwechselt und für die Folgen verantwortlich gemacht wird, die entstehen, wenn Menschen sich anderen Gesichtspunkten verschließen und an ihrem eigenen festhalten. Das kann im schlimmsten Fall Formen annehmen wie die Aufforderung, ‚Ungläubige zu töten‘, d. h. all diejenigen umzubringen, die das Paradigma nicht gutheißen, mit dem man selbst fusioniert ist. Diese Problematik wird im Allgemeinen durch Appelle zu lösen versucht, festgefahrene Meinungen zu lockern, wobei gleichzeitig nach einer größeren Vielfalt paradigmatischer Elemente gerufen wird.
Doch was wäre, wenn unsere Probleme nicht daher kommen, dass wir sklavisch paradigmatischer Reinheit folgen, sondern daher, dass alle Paradigmen in unserer bisherigen Geschichte das wirkliche Wesen des Menschen entweder nur unvollständig erfassten oder sich in ihrer Sichtweise völlig geirrt hätten? Wenn das wahr wäre, würde das starre Festhalten an einem fehlerhaften Paradigma seine Unzulänglichkeiten zwar durchaus deutlicher machen, was zu begrüßen ist, das eigentliche Problem jedoch, der tiefgreifende inhaltliche Fehler hinsichtlich der Natur des Menschen, bliebe dabei unerkannt.
Die Einschätzung, dass das Problem im Festhalten an einer Ideologie oder einem Paradigma läge und durch eine größere paradigmatische Vielfalt zu beheben sei, wäre dann ein großer Irrtum; das wirkliche Problem, das unser Menschsein so schwierig macht, kommt daher, dass unsere modernen und traditionellen Paradigmen von ihrem Inhalt her engen Grenzen unterliegen und voller Fehler stecken.
Dies wirft die Frage auf, wer es hier wagt, alle Paradigmen unserer ganzen Geschichte entweder als völlig falsch oder bestenfalls unvollständig zu bezeichnen? Die meisten würden davon ausgehen, dass es sich dabei um einen Verrückten handeln muss. Doch was wäre, wenn diese mögliche Wahrheit sich auf eine überprüfbare und nachvollziehbare Erfahrung stützt, die endlich, zum ersten Mal, erfahren werden kann, dann, wenn unsere Kurzsichtigkeit hinsichtlich unserer Emotionen von der Linse eines solchen Paradigmas korrigiert wird? Was, wenn die Zeit dafür bisher einfach noch nicht reif war, wenn noch nicht einmal die Begründer unserer originären Weltbilder so weit waren, der wahren Natur der Emotionen ins Gesicht blicken zu können?
Und was wäre, wenn die Welt dann endlich ‚Augen‘ hätte, all die Fehler in all unseren Paradigmen zu erkennen und diese durch die Anerkennung der Existenz und Struktur unseres menschlichen Emotionalkörpers und seiner Vorrangigkeit vor dem mentalem und dem physischem Körper deutlich würden, Fehler, die gerade dadurch zustande kamen, dass diese Paradigmen dem Emotionalkörper eine nachgeordnete Rolle hinter dem Mentalkörper oder dem physischen Körper gaben?
Wenn das wahr sein könnte, hätten wir eine neue Welt, hätte die Menschheit ein neues Herz und eine neue Zukunft, eine, in der die wahren Wurzeln für unsere Symptome voller Chaos und Leid, die wir bisher weder als Individuen noch als Gattung wahrnehmen konnten, zum Vorschein kommen könnten, mit neuen Wegen zu Lösungen und zu Ausdrucksmöglichkeiten, die unserem Bewusstsein als Individuen und als Menschheit insgesamt bisher verschlossen waren.
Dies ist kein schauerlicher Ruf nach einem Shangri-La, nach einem Utopia, Eden oder einer idealen Gesellschaft, wie sie früher von Visionären ausgestoßen wurden, ohne im menschlichen Herzen verankert zu sein. Es wäre ein vollkommen neuer Weg für uns alle, auf dem wir erkennen könnten, wie wir selbst zu dem Problem beitragen, dem wir uns als Menschheit gegenüber sehen. Es hätte nichts mit einem ‚Ideal‘ zu tun: Es wäre einfach nur echt, und diese Echtheit würde uns neue Wege weisen, so dass wir unsere Herausforderungen mit neuen Augen sehen könnten.
Noch folgenschwerer ist, wie selten ein Mensch, ob Lehrer oder Suchender, erleuchtet oder nicht, nachvollziehen kann, wie die tiefen und existenziellen Verwundungen der eigenen Kindheit sich darauf auswirken, dass er/sie sich unbewusst zu ganz bestimmten spirituellen Waren und Dienstleistungen hingezogen fühlt. Ohne ein Paradigma, das für eine solche innere Ausrichtung eine größere Perspektive und zusätzlich Heilung in einer Tiefe anzubieten hat, wie sie selbst anspruchsvollste psychologische Modelle nicht leisten können, verschließt sich der Zugang zu diesen Wunden gerade mit dem Erreichen der angestrebten höheren oder tieferen Bewusstseinszustände.
Wie viele Menschen können nachvollziehen, dass ihre Anziehung zu einem erleuchteten Lehrer, mit dem sie keinerlei persönliche Beziehung verbindet – lehrt das Paradigma doch, dass es weder in Schüler noch Lehrer ein wirkliches Selbst gibt, das eine Verbindung aufnehmen könnte -, nur deshalb zustande kommt, weil sie durch ihre Eltern eine Konditionierung erfahren haben, in der es weder energetische noch emotionale Verbindung gab? Wem ist klar, dass ein Kind, das eine vitale Verbindung mit seinen Eltern erlebt hätte, sich niemals von einem energetisch weitgehend abwesenden non-dualisierten Lehrer angezogen fühlen könnte, dessen Chakren 1, 2 und 3 verkrüppelt sind, trotz aller Weisheit und aller Fülle an Shakti? Und auch im Lehrer leben die ihm unbewussten Verwundungen unter allem Shakti und Sunyata weiter fort. Sie bleiben von der Erleuchtung unberührt und sind verantwortlich für die gesamte emotionale Verkümmerung und das offenkundig unangemessene Verhalten, das bei erleuchteten Lehrern wilde Auswüchse treibt, besonders in sexueller Hinsicht.
Es ist schon lange überfällig, dass ein solches meta-paradigmatisches Verständnis die verschiedenen dharmischen Elemente der eigenen Arbeit vereinigt und gleichzeitig den subtilen Vorgang aufdecken kann, wie ungeheilte existenzielle Bewusstseinswunden durch unsere Errungenschaften betäubt werden. All das sollte nicht länger eine seltene esoterische Einsicht sein. Es ist Zeit, dass es als grundsätzliche, fundamentale Wahrheit überall dort gelehrt wird, wo Bewusstseinswachstum angestrebt wird, vielleicht in einem Fach namens ‚Meta-kontextuelle Paradigmatik‘.
Hier geht es nicht einfach um abstrakte intellektuelle Phänomene oder eine fiktive kognitive Träumerei: Hier geht es um die ganz reale Wahrheit, wie wir unsere Wahlfähigkeit als Mensch nutzen, denn wir befinden uns in einer Situation, in der wir ein Wertesystem bewusst und als Ganzes übernehmen müssen. Ansonsten erliegen wir unweigerlich unseren konditionierten Zuständenollen, um die wir entweder nicht wissen oder sie leugnen, so dass wir in ihnen stecken bleiben und uns so vom Ziel unserer Bewusstseinsreifung weiter entfernen anstatt ihm näher zu kommen.
Bis unsere Wahlmechanismen auf so stabilen Füßen stehen, werden wir uns als Menschheit auf der Ebene des Bewusstseinswachstums in revolutionären, zeitlich begrenzten Pseudo-Lösungen in Kreisen drehen und dabei in den verschiedenen Perioden unserer Geschichte endlos zwischen polarisierten Positionen hin und her schwanken anstatt uns denresolutionären Wahrheiten zu öffnen, die das Bewusstsein in seiner Essenz ganz real vertikal transmutieren und nicht nur in neue Formen kleiden, in denen die konditionierten Reaktionen auf unsere unbewussten Ängste sich unaufhörlich neu gestalten.
Dem Felsen dieses neuen, meta-paradigmatischen Fundaments widme ich mit aller Kraft meinen Beitrag zu unserer gemeinsamen Zukunft.